Prinzip Bundesliga - Was sich ändern muss!

Updated: Jun 21, 2018


Jetzt ist die Bundeliga-Saison 2017/18 (endlich) zu Ende: Der FC Bayern München ist zum sechsten Mal in Folge deutscher Meister; Schalke 04, die TSG Hoffenheim und der BVB spielen sicher in der Champions League; Bayer Leverkusen und evtl. RB Leipzig und die Frankfurter Eintracht in der Europa League, während sich der VfL Wolfsburg ein zweites Mal in der Relegation rettete und damit im Gegensatz zum Hamburger SV und dem FC Köln mindestens eine weitere Saison im deutschen Fußballoberhaus spielt.


Soweit keine Überraschungen

Das Scheitern der Kölner war schnell abzusehen und der HSV spielte ohnehin zuletzt immer wieder gegen den Abstieg.

Die Erkenntnisse der Saison: Der FC Bayern scheint der Liga enteilt, die im europäischen Fußball einen immer geringeren Stellenwert einnimmt. Während 2013 zwei deutsche Vereine im Finale der Champions League standen, konnten sich in dieser Saison wiedereinmal nur der FCB durchsetzen und zumindest das Halbfinale erreichen. Dortmund und Leipzig überstanden nicht einmal die Gruppenphase. Ähnlich erging es Hoffenheim, Köln und Hertha BSC Berlin in der Europa League.

Die Titel gingen wie so oft nach Spanien, diesmal sogar beide nach Madrid.

Insgesamt dürfen nur wenig Vereine zufrieden mit ihren Leistungen der abgelaufenen Saison sein. Darunter Hannover und Stuttgart, die sich als Aufsteiger erfolgreich gegen den direkten Wieder-Abstieg wehren konnten. Auch Eintracht Frankfurt spielte, vor allem in der Hinrunde, eine überdurchschnittliche Saison.


Mehr Spannung im Titelkampf und internationalen Wettbewerben

Daraus gilt es nun zu lernen, denn einen weiterer Qualitätsverlust gilt es im Sinne der Zuschauer, Fans, Vereine und Spieler der Bundesliga zu verhindern. Dafür ist es notwendig sowohl das Problem der fehlenden internationalen Konkurrenzfähigkeit, als auch das der Ungleichheit innerhalb der Liga zu lösen und so einen spannenden Wettbewerb auf hohem Niveau zu schaffen.

Viele sind der Meinung, dass dafür ein Blick über den Atlantik hilft. Denn die US-Amerikaner sorgen durch verschiedene Regeln für die Ausgeglichenheit ihrer Ligen und versprechen sich davon eine spannendere Saison.

Das am häufigsten diskutierte Mittel ist die Einführung von Play-offs, in denen die erfolgreichsten Mannschaften der Hauptsaison im K.O.-System um den Titel kämpfen. Die Spannung bleibt dort bis zum Ende erhalten, da der Meister erst im letzten Spiel ermittelt wird.

Doch tatsächlich wird das Problem der fehlenden Spannung im Titelkampf nicht gelöst, sondern sogar verstärkt, da die Saisonspiele an Wichtigkeit und somit Spannung verlieren. Besonders für Vereine für die ein Platz im unteren Mittelfeld schon das höchste aller Gefühle ist wäre eine solche Änderung ein Schlag ins Gesicht. Spannung und Ausgeglichenheit gäbe es dann nur unter den z.B. acht besten Mannschaften, die es tatsächlich in die Playoffs schaffen würden.

Um die Chancen aller Mannschaften auszugleichen setzen die Amerikaner auch auf Drafts, bei denen die besten Jugendspieler an schlechtere Mannschaften vergeben werden, um die Kader-Qualität aller Vereine in der Waage zu halten, und Salary Caps, die die maximale Höhe der Spielergehälter eines Vereins bestimmen.

Solche Systeme sind für die Bundesliga nicht vorstellbar, da sie im Wettbewerb mit anderen Ligen im Ausland aber auch in Deutschland steht und Teil übergeordneter Organisationen wie DFL, UEFA und FIFA ist.

NFL, NBA etc. sind hingegen geschlossene Ligen aus denen nicht abgestiegen bzw. in die nicht aufgestiegen werden kann.

Das macht den US-Sport mehr zu Unterhaltungssendungen und weniger zu sportlich und marktwirtschaftlich ausgetragenen Wettbewerben. mehr dazu


Erfolg vs. "Echte Liebe."

Was der Bundesliga fehlt ist ein klares Image: hochbezahlter Profisport mit internationalen Talenten oder lokale Vereine mit regionaler Vereins-Identität. Um das höchste sportliche Level zu erreichen ist wohl ersteres vielversprechender, denn was hilft dem HSV ein Trainer mit "Stallgeruch", wenn man am Ende der Saison (deswegen) die Liga verlassen muss? Und das war nur eine der vielen Management-Fehlentscheidungen der letzten Jahre.

In diesem Zwiespalt befinden sich die Traditionsvereine schon lange. Sie sind wahrscheinlich die einzigen millionenschwere Unternehmen, die die marktwirtschaftliche Sicht hinten anstellen, z.B. wenn es um Besetzung von Management-, Trainer- aber auch Spieler-Positionen geht.

Vorgeführt wurde ihnen dieser Misstand nicht zuletzt durch RB Leipzig, die zwar mehr Geld zur Verfügung haben als ein Großteil der anderen Bundesliga-Vereine, dieses aber deutlich besser investiert haben ohne auf eine Vereinstradition Rücksicht nehmen zu müssen.

Ihr einziges Ziel: guten, erfolgreichen Fußball spielen.

Dieses mag sie nicht von Vereinen, wie z.B. dem BVB unterscheiden, die aber zusätzlich ihren Fans "Echte Liebe." vermitteln wollen - und das auf einem Niveau von teils dreistelligen Millionenbeträgen, die für Wechsel von Spielern ausgegeben werden.


Das soll nicht bedeuten, dass finanzielles Interesse und ausgeprägte Vereins-Identität sich gegenseitig ausschließen und erfolgreicher Fußball durch Geld gespielt wird, aber das der marktwirtschaftliche Ansatz schneller und einfacher zu Erfolg führt.

Das sich die Bundesligisten größtenteils dagegen entschieden haben, mag man gut oder schlecht finden, aber über die schwächer werdende Liga sollte man sich dann nicht beschweren.

Auch die DFL will große finanzielle Einflüsse vom Fußball fernhalten, sodass die Bundesliga, als einzige der Top-Ligen, eine "50+1"-Regel besitzt.


Untergang der Bundesliga

Die Bundesliga verfängt sich immer weiter in einer Abwärtsspirale, die mit den fehlenden internationalen Erfolgen der Bundesliga-Teams beginnt. Die deutsche Teams haben im Vergleich zu englischen, spanischen, französischen und italienischen Teams ein geringeres Ansehen, sodass es schwierig ist einen Topspieler zu einem Wechsel in das deutsche Oberhaus zu überzeugen. Durch die fehlenden Topstars mangelt es den Vereinen an Qualität. Das wiederum hindert die Vereine am internationalen Erfolg.

Der FC Bayern München ist der einzige Verein, der diesen Teufelskreis noch nicht erleben musste. Das Team des Triple 2013 steht noch zu großen Teilen. Doch Robben, Ribery & Co. werden nun ihre letzte Saison spielen. Gelingt es dem FCB also nicht spätestens im nächsten Sommer neue Topspieler zu transferieren, wartet auch auf sie der Teufelskreis.


Neben der Investition in Topspieler bleibt außerdem der Aufbau eines guten Jugendzentrum bzw. Scouting Team eine Möglichkeit um Kader-Qualität zu erhalten. Schafft man es die größten Talente wenigstens für zwei, drei Jahre an die Liga zu binden, um dort ihre Entwicklung voran zu treiben, würde auch das die Liga deutlich interessanter und auch attraktiver machen.


Wenn die Vereine nicht alles geben, um diese Entwicklung voran zutreiben, wird in einigen Jahren "50+1" fallen oder die Bundesliga ihren Stellenwert und damit ihre Talente verlieren.

Zeichen genug sollte sein, dass schon beider WM 2018 7 Spieler des DFB-Teams vom FC Bayern, nur 8 aus der restlichen Bundesliga (jeweils einer pro Verein) und 8 aus dem Ausland kommen.

Ob die Liga in der nächsten Saison spannender wird ist schwer zu prognostizieren, aber in welche Richtung sich die Vereine entwickeln wird in jedem Fall interessant zu beobachten sein.

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