Wie das Internet die Vorherrschaft übernimmt - Der Kampf um die Übertragungsrechte

Updated: Sep 3, 2018


Bis zum letzten Jahr war klar wo Spiele der Bundesliga, der UEFA Champions- und Europa League zu finden sind - Sky. Doch schon zu Beginn der laufenden Saison änderte sich einiges. Die Sontagsspiele um 13.30, Freitags- und Montagsspiele gab es von nun an nur im Abonnement von Eurosport, auch die Relegation dieses Jahres wird man nur dort finden.


Was mit diesen verhältnismäßig kleinen Änderungen bei gerade mal 40 der 306 Bundeliga Partien angefangen hat, wird sich in der neuen Saison in größerem Maßstab fortsetzen. Zwar bleiben die Bundesliga-Rechte bis 2020/21 bei Sky bzw. Eurosport, trotzdem verliert Sky weitere wichtige Teile ihrer Fußball-Live-Berichterstattung. Ab der kommenden Saison zeigen sie nur noch die deutschen Partien, wichtige Einzelspiele und die Konferenzen der Champions League, während die Europa League das Programm komplett verlässt.

Diese gibt es, sowie die restlichen Spiele der Champions League, nur bei DAZN (15 ausgewählte Partien gibt es parallel auch bei RTL Nitro im Free-TV).

Eine komplette Übersicht gibt es hier.

Um nun alle Highlights des deutschen und internationalen Fußball mitzuverfolgen braucht man zur neuen Saison 3 Abonnements: Sky (Sport&Bundesliga), Eurosport und DAZN.


Das Internet erobert auch die Sportübertragung

Ursache für diese Chaos ist das Verlangen der Zuschauer das Programm nicht mehr nur vorm Fernseher zu verfolgen, sondern auch unterwegs auf Smartphone, Tablet, Laptop etc.

Diesen neuen Markt erobern Sender wie DAZN, die nur auf Livestreams setzen, aber auch Eurosport, deren Bundesliga Programm zwar auch auf Eurosport 2 HD Xtra ausgestrahlt wird, aber hauptsächlich für den Eurosport Player konzipiert ist.

Das Online Programm von Sky (SkyGo) ist hingegen nicht für diesen Zeitwandel gerüstet und nur begrenzt konkurrenzfähig. Neben schlechterer technischen Umsetzung erlaubt es Sky außerdem SkyGo nur auf einem Gerät zuschauen, während sowohl bei DAZN als auch bei Eurosport ein Stream auf zwei Geräten parallel möglich ist. Diese Funktion kommt vor allem Familien zugute, die sich für verschiedene Sportarten bzw. Spiele interessieren oder den Sport an verschiedenen Orten genießen wollen.


Der vermeintliche Kampf gegen Exklusivrechte

Das Sky einen Teil ihrer Bundesliga-Rechte aufgeben musste lag an der Mahnung des Bundeskartellamts, dass die Vergabe von Exklusivrechten den Wettbewerb unterdrücke. Es stimmte zwar der Lösung der DFL zu, die Rechte auf Sky und Eurosport zu verteilen, doch das Problem besteht noch immer. Denn von einem neu entstandenen Wettbewerb ist nicht zusprechen, da die Entscheidung, ob ein Sky- oder Eurosport-Abonnement angeschafft wird, oft mit "beide" beantwortet werden muss.

Eine für Zuschauer bessere Lösung im Kampf um die TV-Rechte wäre eine parallele Berichterstattung von zwei oder mehr Sendern bei betroffenen Spielen. So könnte sich der Zuschauer den bevorzugten Dienst aussuchen und würde eine echte Konkurrenzsituation schaffen, die die Sender vielleicht sogar zu einer Programmverbesserung bewegen würde.

Stattdessen können die Sender durch Exklusivrechte an einzelnen Spielen die Fans dazu zwingen ein Abonnement bei ihnen abzuschließen. Im aktuellen Beispiel verliert Sky kaum Zuschauer, da der Großteil der Bundesliga Spiele immer noch dort übertragen wird, und Eurosport kann gleichzeitig die selben Zuschauer für sich gewinnen, da sie auch die 40 weiteren Spiele sehen wollen.

Ein Nachteil ist es folglich nur für den Konsumenten, der so zweimal zur Kasse gebeten wird.


Das amerikanische Modell

Eine ganz andere Entwicklung lässt sich in der Formel 1 beobachten, an der Sky ebenfalls zur aktuellen Saison die Übertragungsrechte verlor. In den Verhandlungen wollte Sky zum ersten Mal Exklusivrechte erhalten, um die Konkurrenz durch den Free-TV Sender RTL zu vernichten. Letztendlich konnte man sich nicht auf einen Preis einigen und die Formel 1 läuft weiter auf RTL, aber eben nicht mehr bei Sky.

Doch für diejenigen die sich an der Werbung stören oder gerne weitere Perspektiven und Daten zum laufenden Rennen haben möchten wird es bald (noch in der laufenden Saison) eine Alternative geben: F1 TV. Ein Abonnement das die Internet-Übertragung aller Trainings-, Qualifying- und Renn-Sessions mit deutschem, englischen, spanischen, usw. Kommentar aus verschiedenen Perspektiven enthält. Ein Fan bekommt so alles von einem Sender, der das Programm durch gratis Inhalte auf YouTube, Twitter und auf ihrer Website zusätzlich erweitert.

Dabei orientieren sich Liberty Media, die neuen Eigentümer der Formel 1, die auch Rechte an Discovery und somit Eurosport halten, an der amerikanischen Präsentation des Sports.

Einzelne Spiele werden dort zur Show, die zum umfassenden Programm ("Gamepass" oder "Leaguepass") der Ligen, wie NFL, NBA, etc., gehören. Neben Live-Übertragungen aller Spiele sind auch 24h Sender mit aktuellen Informationen zum Sport enthalten.

Dabei sind die Ligen im Gegensatz zu Fußballigen eigene Wirtschaftsunternehmen, deren Kernziel, neben Finanziellem, die Erweiterung der Zuschauerschaft ist. Gerade deswegen wäre es schwierig dieses Konzept auf den Fußball zu übertragen, bei dem die Leistungen noch wichtiger sind als die Show, sodass Medien neben dem Fußball existieren und über ihn berichten, aber nicht die Eigentümer des Wettbewerbes sind.

Nichtsdestotrotz kann ein Blick über den Atlantik nicht schaden, der einem zeigt welche Möglichkeiten es zur erweiterten Berichterstattung gibt.


Denn eine Entwicklung muss es im Zuge der Verlagerung von Sportübertragungen ins Internet, die durch Eurosport und DAZN eingeleitet wird, auf jeden Fall geben. Vor allem bei Sky, wenn sie weiter im großen Sport mitspielen und nicht in der Bedeutungslosigkeit des Fernsehens verschwinden wollen.

Aber auch Eurosport und DAZN müssen nach kürzlichen Erfolgen beim Kampf um die Fernsehrechte weiter kämpfen, um Zuschauer an sich zu binden und ihr Programm weiter auszubauen. Vielleicht lassen sie sich ja durch Übertragungen anderer Sportarten inspirieren und wir werden in Zukunft nicht nur auf anderen Sendern, sondern auch auf eine moderne Art unseren liebsten Sport verfolgen.

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